Struktur und Symmetrie
Die Natur ist fast endlos durchzogen von Symmetrien, doch nirgendwo sonst sind sie zugleich so perfekt, einzigartig, labil und vergänglich wie in den filigranen Strukturen der Eiskristalle einer einzelnen Schneeflocke.
Ein Gebilde, das sich aus nichts weiter zusammensetzt als aus dem molekularen Fundament allen Lebens: Wasser. Ein sonderbares Element – vielleicht sogar das sonderbarste von allen. Es kann zur gleichen Zeit Regen, Schnee und Eis sein, kann eine Quelle, einen Bach, einen Fluss, einen See oder ein Meer bilden. Es ist der einzige bekannte Stoff des Universums, der bei Temperaturen um den Gefrierpunkt gleichzeitig in all seinen drei Aggregatszuständen vorkommen kann. Wasser ist, von der molekularen Ebene bis hinein in unsere Alltagswelt, ein Künstler der Koexistenz – ein Meister der Gleichzeitigkeit.
Und so verwundert es kaum, dass auch eine Schneeflocke diese Widersprüchlichkeit der Gleichzeitigkeiten in sich trägt: Sie ist streng geordnet und doch vollkommen individuell, stabil und zugleich zerbrechlich, vergänglich und dennoch von zeitloser Schönheit. Jede Schneeflocke folgt den gleichen physikalischen Gesetzen, verfügt über die gleichen sich immer wiederholenden hexagonalen Strukturen – und doch gleicht keine jemals der anderen.
Vielleicht liegt genau darin ihr Zauber; in der Zerbrechlichkeit, die jeden Moment ihrer kurzen Existenz für alle Ewigkeit einzigartig macht.
Das fotografische Festhalten dieser wunderschönen, kurzlebigen Strukturen gelang mir bei tiefsten Minusgraden in den stark verschneiten italienischen Alpen mithilfe eines Makroobjektivs im Februar 2025.